Maisha Mema: Von der Idee zur Vision für ein gutes Leben | W&O

Grabs/Kibanga(Tansania) vor 44 Minuten

Maisha Mema: Von der Idee zur Vision für ein gutes Leben

Vor zehn Jahren wurde auf Initiative von Bettina Kuria-Isler aus Grabs die Maisha Mema Foundation Tansania gegründet. Wie es dazu kam und vor welchen Herausforderungen das Hilfswerk heute steht.

«Maisha Mema» bedeutet auf Kiswahili «Gutes Leben». Dieser Name steht für die Vision, die seit den Anfängen die Arbeit des Hilfswerks prägt: Menschen in der Kagera-Region im Nordwesten Tansanias sollen die Möglichkeit bekommen, ein gesundes, würdevolles und selbstbestimmtes Leben zu führen.

Am Anfang stand eine Begegnung

Die Geschichte von Maisha Mema begann nicht mit einem grossen Projektplan, sondern mit einer Begegnung: Im Jahr 2013 kam Bettina Isler (heute Kuria-Isler) während eines freiwilligen Einsatzes nach Tansania und arbeitete als Krankenschwester in Dar es Salaam an der Küste Tansanias. Dort entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen ihr und ihrer Gastfamilie. Diese lud sie schliesslich ein, sie in ihrem Heimatdorf zu besuchen und beim Aufbau einer Primarschule zu helfen.

Knapp zehn Monate später hatte Isler in der Schweiz ihre Zelte abgebrochen und machte sich auf den Weg in das kleine, ländliche Dorf Bumilo. Lange blieb es allerdings nicht bei ihrem Einsatz als Lehrerin und Schulgründerin. Schon bald wurde ihre Hilfe als Pflegefachfrau dringend gebraucht. Mit der Zeit versammelten sich täglich bis zu 70 Dorfbewohner vor ihrem Zuhause, die medizinische Hilfe benötigten.

Die Grabserin half nur allzu gerne. Denn die Arbeit als Pflegefachfrau war für sie immer mehr als nur ein Beruf – es ist die Arbeit, bei der ihr Herz aufgeht, und es erfüllte sie, zu sehen, wie mit vergleichsweise wenig Mitteln so viel Gutes bewirkt werden konnte. Aus diesen ersten Erfahrungen wuchs die Idee, dass die Menschen in dieser abgelegenen Region einen Ort brauchen, an dem sie dauerhaft medizinische Hilfe erhalten – unabhängig davon, ob sie sich eine Behandlung leisten können oder nicht.

2016 wurde aus der Idee eine Organisation

Im Jahr 2016 wurde mit Unterstützung von Freunden und Familie der Verein Maisha Mema Foundation Tanzania in der Schweiz gegründet. Im selben Jahr entstand auch die gleichnamige NGO (die Abkürzung steht für den englischen Ausdruck für Nichtregierungsorganisation) in Tansania, die heute als offiziell registrierte internationale NGO tätig ist.

 

Ein grosses Fest zum zehnjährigen Bestehen der Maisha Mema Foundation

Das zehnjährige Bestehen des von Bettina Kuria-Isler gegründeten Hilfswerks Maisha Mema Foundation und dessen Wirken für die Landbevölkerung in dem abgelegenen Gebiet Tansanias wird dieses Wochenende in Grabs gebührend gefeiert.

Am Samstag, 22. August, wird im Kirchgemeindehaus an der Wassergasse 6  ein unterhaltsames Programm geboten. Eröffnet werden die Festivitäten um 11 Uhr. Spezielle Programmpunkte sind danach um 14 Uhr eine Trommelvorführung, um 16 Uhr eine Tanzvorführung sowie um 19 Uhr ein Abschlusskonzert. Auch Kindern wird Unterhaltung geboten, und fürs leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt.

Am Sonntag, 23. August, wird ausserdem der Gottesdienst um 10 Uhr in der Kirche Grabs im Zeichen der Maisha Mema Foundation Tanzania stehen. (wo)

 

Aus einer persönlichen Idee wurde damit eine gemeinsame Vision, die Menschen in Tansania und der Schweiz verbindet. Dabei wurde bald klar: Gesundheit bedeutet mehr als die Behandlung einer Krankheit. Wer dauerhaft gesund und selbstständig leben möchte, braucht auch ausreichend Nahrung, Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen und Möglichkeiten, den eigenen Lebensunterhalt zu sichern.

Aus der ursprünglichen Idee entwickelte sich die Maisha Mema Dispensary, die heute eine wichtige medizinische Anlaufstelle für Menschen aus Kibanga und den umliegenden Gemeinden ist.

 

Doch Maisha Mema geht auch dorthin, wo die Menschen leben. Durch Hilfe und Pflege zu Hause sowie Palliative Care werden ältere, chronisch und schwer kranke Menschen in ihrem vertrauten Umfeld besucht und begleitet. Damit bietet Maisha Mema ein in dieser Form nahezu landesweit einzigartiges Angebot.

Die Krankenstation von Maisha Mema.
Die Krankenstation von Maisha Mema.
Bild: PD

Gesundheit allein reicht nicht

Mit dem Agape Club entstand zudem ein besonderes Angebot für Kinder mit Behinderungen und ihre Familien. Neben medizinischer Versorgung erhalten sie unter anderem Ernährungshilfe, Hilfsmittel, physiotherapeutische Behandlung und persönliche Begleitung. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist der Emergency Fund, mit dem besonders bedürftige Menschen bei nötigen medizinischen Behandlungen unterstützt werden.

Mit der Zeit wurde deutlich, dass medizinische Hilfe allein Armut nicht dauerhaft überwinden kann. Deshalb erweiterte Maisha Mema seine Arbeit und fing an, in der Entwicklungshilfe tätig zu sein. Familien und Einzelpersonen werden bei kleinen Geschäftsideen, Landwirtschafts- und Gartenprojekten sowie bei der Verbesserung ihrer Ernährung und wirtschaftlichen Situation unterstützt. Das Ziel ist nicht nur, Menschen kurzfristig zu helfen, sondern ihnen Wege zu eröffnen, langfristig selbstständiger und unabhängiger zu werden.

Mobilität ist für die Arbeit des Hilfswerks unverzichtbar

Hinter dieser Arbeit steht jedoch auch eine Realität, die von aussen oft weniger sichtbar ist. Da bisher nicht genügend Spenden für ein neues Fahrzeug vorhanden waren, arbeitet Maisha Mema teilweise mit über 20 Jahre alten Occasionsfahrzeugen. Gleichzeitig ist Mobilität für die Arbeit des Hilfswerks unverzichtbar: Jeden Tag ist ein Team unterwegs, um Kinder mit Behinderungen oder Patientinnen und Patienten zu Hause zu besuchen oder Materialien zu transportieren. Muleba liegt rund 25 Kilometer entfernt, viele wichtige Materialien müssen jedoch sogar aus Dar es Salaam – etwa 1500 Kilometer entfernt – nach Kibanga gebracht werden. Ein zuverlässiges Offroad-Fahrzeug würde deshalb die tägliche Arbeit wesentlich erleichtern und sicherer machen.

Auch die Wasserversorgung ist eine Herausforderung. Das Wasser muss aus einem rund einen Kilometer entfernten Bohrloch über den Hügel zur Einrichtung gepumpt werden. Dafür wird derzeit ein Dieselgenerator benötigt. Die hohen Treibstoffkosten belasten das monatliche Budget erheblich. Eine Solarpumpe würde hier eine nachhaltige und langfristig kostengünstigere Lösung ermöglichen. Auch die Erweiterung der Dispensary steht seit rund einem Jahr still. Der Innenausbau kann aufgrund fehlender finanzieller Mittel derzeit nicht fertiggestellt werden.

Diese Herausforderungen zeigen, dass neben der Finanzierung der Programme auch Investitionen in die grundlegende Infrastruktur nötig sind, damit Maisha Mema seine Arbeit langfristig und effizient weiterführen kann.

Maisha Mema möchte mehr als nur Krankheiten behandeln

Die Geschichte von Maisha Mema ist vor allem eine Geschichte von Menschen. Hinter jedem Programm stehen Menschen mit ihren ganz persönlichen Geschichten, Hoffnungen und Herausforderungen.

Zum Beispiel war da Allen, der mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren wurde. Da diese nicht behandelt wurde, konnte er kaum essen und trinken. Als er mit etwas mehr als drei Jahren zu Maisha Mema kam, wog er nur vier Kilogramm. Maisha Mema nahm Allen und seine Grossmutter, die ihn grosszieht, bei sich auf. Über längere Zeit wurde der Bub täglich mit Milch und Porridge ernährt und medizinisch betreut. Ziel war es, ihn so weit zu stärken, dass er die dringend benötigte Operation überstehen konnte. Schliesslich war er kräftig genug. Maisha Mema übernahm die Kosten für die Operation – und damit begann für Allen ein neues Leben. Von da an entwickelte sich der Bub prächtig. Heute ist Allen zehn Jahre alt, geht zur Schule und führt ein normales Kinderleben. Und wie es sich für einen Bub in seinem Alter gehört, hat er inzwischen auch den einen oder anderen Schabernack im Kopf.

Oder die Geschichte von Damian, einem Familienvater mit acht Kindern, der an ALS erkrankte, einer unheilbaren, schweren Erkrankung des Nervensystems. Insgesamt wurde Damian über ein Jahr lang von Maisha Mema betreut und gepflegt, erst auf der Krankenstation, später auch zu Hause. Die Familie lebte damals in einem Haus, das beinahe auseinanderfiel. Dank einer grosszügigen Spende konnte Maisha Mema der Familie ein neues Haus in der Nähe der Einrichtung bauen.

Maisha Mema behandelt nicht nur in der eigenen Krankenstation, sondern geht auch zu den Leuten.
Maisha Mema behandelt nicht nur in der eigenen Krankenstation, sondern geht auch zu den Leuten.
Bild: PD

Damian ist inzwischen verstorben. Doch seine Geschichte endet damit nicht. Seine Familie lebt bis heute in dem Haus, das ihnen in einer schwierigen Zeit Sicherheit und ein Zuhause gegeben hat. Maisha Mema unterstützt sie weiterhin dabei, sich eine eigene Lebensgrundlage aufzubauen. Der älteste Sohn konnte mit der Hilfe von Maisha Mema ein Töff-Taxi-Geschäft beginnen, während die Mutter durch den Verkauf von Erdnüssen ein eigenes kleines Einkommen erwirtschaftet.

Diese beiden Geschichten zeigen, was Maisha Mema erreichen möchte: nicht nur Krankheiten behandeln, sondern Menschen und Familien begleiten – manchmal für einen kurzen Moment, manchmal über viele Jahre. Es sind auch bloss zwei Geschichten bei mittlerweile über 20’000 behandelten Patientinnen und Patienten seit der Eröffnung der Krankenstation im Jahr 2019.

Aber es ist auch die Geschichte der vielen Menschen, die Maisha Mema möglich machen: Mitarbeitende in Tansania, Unterstützerinnen und Unterstützer in der Schweiz und anderen Ländern, Partner, Freiwillige, Spenderinnen und Spender – und vor allem die Menschen in den Gemeinden selbst. Maisha Mema ist aus einer Begegnung entstanden – und bis heute lebt die Organisation von Begegnungen.

Heuer blickt Maisha Mema auf zehn Jahre seit der Gründung zurück. Zehn Jahre, in denen aus einer kleinen Idee eine Organisation mit einer medizinischen Einrichtung, zahlreichen Programmen und einem engagierten Team geworden ist.

Die Vision für die Zukunft

Doch dieses Jubiläum ist nicht nur Anlass, zurückzublicken. Es ist auch ein Blick nach vorne. Maisha Mema möchte die medizinische Versorgung weiterentwickeln, Menschen mit Behinderungen und schwer kranke Patientinnen und Patienten weiterhin begleiten, Familien in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung unterstützen und gleichzeitig die nötigen Grundlagen für die Arbeit des Hilfswerks verbessern. Dazu gehören ein zuverlässiges Fahrzeug, eine nachhaltige Wasserversorgung, die Fertigstellung der Dispensary-Erweiterung und eine stabile finanzielle Grundlage zur Sicherstellung der Löhne und anderer Fixkosten.

Die Vision bleibt dabei dieselbe wie am Anfang: Menschen in unterversorgten Gemeinden sollen gesund, würdevoll und produktiv leben können. Was 2013 mit einer kleinen Idee begann und 2016 in Tansania und der Schweiz eine feste Form erhielt, ist heute zu einer Gemeinschaft geworden. Aus einer kleinen Idee wurde eine Vision. Aus einer Vision wurde eine Organisation. Und aus dieser Organisation entsteht jeden Tag ein kleines Stück «Maisha Mema» – ein gutes Leben.

Hinweis: Mehr zu Maisha Mema und dem Wirken des Hilfswerks sowie die Kontoverbindung für Spenden findet man auf maishamemafoundation.org/de/