Mehr Freiheit beim Lernen statt immer mehr Vorschriften dazu | W&O

St.Gallen/Buchs vor 1 Stunde

Mehr Freiheit beim Lernen statt immer mehr Vorschriften dazu

Die Buchser Vereinigung für Freies Lernen begrüsst Reformen im Volksschulgesetz, lehnt jedoch diverse strengere Regelungen ab.

Von pd/wo
aktualisiert vor 1 Stunde

Die Vereinigung für Freies Lernen VFL mit Sitz in Buchs hat sich zum Ziel gesetzt, das freie, individuelle und selbstbestimmte Lernen zu fördern. Vor diesem Hintergrund hat sie dem Kanton eine Stellungnahme zur anstehenden Totalrevision des Volksschulgesetzes eingereicht.

Die Gruppierung um den Pädagogen Peter Sutter begrüsst die vorgesehene Flexibilisierung der Schulmodelle, insbesondere auf der Oberstufe, wo altersdurchmischtes Lernen in Niveaugruppen ermöglicht werden soll und anstelle getrennter Sekundar- und Realklassen gemischte Klassen mit Niveauunterricht ermöglicht werden sollen. Auch dem Ermöglichen von Schulversuchen stimmt die VFL zu, sofern das Erreichen der Lernziele nicht gefährdet ist. «Dies würde es erlauben, neue Lernmodelle zu erproben, aus denen wertvolle Erkenntnisse für pädagogische Reformen gezogen werden können.»

Dazu müsste, so die VFL, längerfristig auch die Überwindung des Notensystems gehören, führe jegliches Vergleichen von Lernleistungen doch bei denen, die dabei den Kürzeren ziehen, zu einer Beeinträchtigung ihres Selbstvertrauens und damit ihres Lernpotenzials.

Inklusion statt Separation

Kritisch äussert sich die VFL zu separativen Modellen wie Klein- und Sonderklassen. Separative Lernförderung sei teuer, führe zu schlechteren Lernergebnissen und sei mit sozialer Ausgrenzung verbunden, was zu lebenslangen Beeinträchtigungen des Selbstvertrauens führen könne.

Die VFL plädiert weiter, privaten Einzelunterricht (Homeschooling) weiterhin als Alternative zu traditionellen Schulformen beizubehalten. In Kombination mit erweiterten Lernorten biete er optimale Voraussetzungen für individuelle Lernförderung in familiärer, wohlwollender Umgebung.

Hingegen lehnt die VFL Verschärfungen bei der Bewilligung, der Organisation und der Kontrolle von Privatschulen ab. Sie seien unnötig, weil die Aufsicht bereits durch eine professionell geführte Aufsichtsstelle gewährleistet sei. Einschränkungen im Bereich Homeschooling und Privatschulen hätten einen weitgehenden Verlust der heutigen Bildungsvielfalt und der Entwicklung neuer Lern- und Bildungsformen zur Folge, fürchtet die VFL.

Konflikte im Dialog lösen, statt mit Strafen abwürgen

Weiter kritisiert die VFL Artikel im Gesetzesentwurf zu Strafen oder Bussen. Konflikte sollten nicht mit der Durchsetzung von Machtansprüchen gelöst werden, sondern im Dialog und auf gleicher Augenhöhe zwischen Lernenden, Lehrpersonen, Eltern und Behörden, schreibt die Gruppierung:

Demokratie als Lernziel kann nicht erreicht werden, wenn sie nicht auch im Alltag geübt und praktiziert wird.

Auch einen im neuen Gesetz als schwerste disziplinarische Massnahme vorgesehenen vorübergehenden Schulausschluss lehnt die VFL ab. Werde der Schulausschluss danach definitiv, sei dies ein folgenschwerer Eingriff in die Entwicklung eines Heranwachsenden und könne im schlimmsten Fall zur Zerstörung sämtlicher Zukunftsperspektiven eines jungen Menschen führen.