Manch eine Familie in der Region Sarganserland-Werdenberg, die aus dem arabischen oder persischen Sprachraum zugewandert ist, sieht sich beim Aufwachsen ihrer Kinder in der Schweiz mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Erziehung und Begleitung der Kinder und Jugendlichen sind sehr komplexe Aufgaben – in einem System, in dem die Eltern selbst nicht sozialisiert wurden, fällt deren Gelingen noch schwerer.
Religiöse und kulturelle Traditionen, Normen und Werte sind in der Schweiz nicht die gleichen wie in den Herkunftsländern, darum ergibt sich das Risiko für zusätzliche Reibungspunkte und stärkere Gegensätze. Genau an diesem Punkt setzt Mintegra mit dem Elternbildungsprojekt an.
Präventiv informieren und Kontakte herstellen
Bei längerfristigen Einsätzen der sozialpädagogischen Familienbegleitung, beim Dolmetschen und in der Sozialberatung bei Mintegra zeigten sich über die letzten Jahre hinweg immer öfter komplexe Familiensituationen. Um Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen, wählte Mintegra einen präventiven Ansatz: Wissen aufbauen, Ängste abbauen, Familien stärken.
Wie Mintegra in einer Medienmitteilung schreibt, war das Interesse bei den angefragten Familien gross. Die Liste der Teilnehmenden füllte sich schnell. Während des gesamten Projekts nahmen alle Familien regelmässig teil und brachten sich und ihre Situation aktiv ein.
Für die acht Gruppentermine lud Mintegra Fachpersonen aus den wichtigsten Bereichen, mit denen Familien im Laufe des Aufwachsens ihrer Kinder zu tun haben, ein. Von der Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter über das Bildungssystem bis hin zu behördlichen Massnahmen im Kindesschutz erklärten die Referentinnen und Referenten, worauf die Eltern achten sollen, und berichteten aus ihrer Arbeit.
Dank der beigezogenen Dolmetschenden konnten alle Fragen der Eltern sofort beantwortet werden. Ein Vater sagte zum Abschluss:
Wir schätzen es sehr, direkt den jeweiligen Fachleuten private Fragen stellen zu können, die wir uns sonst nicht getraut hätten, oder von dem wir gar nicht wussten, dass wir das fragen sollten.
Gemeinsam einen neuen Weg entwickeln
Einen speziellen Fokus legte Mintegra auf die Themen, die in unserer Gesellschaft und in islamisch geprägten Ländern unterschiedlich gelebt werden. Entsprechend war ein Modul dem Thema «Partnerschaft und Sexualität» gewidmet, und beim letzten Termin stand die Diskussion zum Islam in der Schweiz und das Aufwachsen mit mehreren Kulturen und verschiedenen Traditionen im Zentrum.
Die vielen Fragen, die die Teilnehmenden stellten, zeigen, dass das Projekt ein grosses Bedürfnis abdeckt. In den Diskussionen konnten sie ihre Sichtweise einbringen und eigene Standpunkte reflektieren. Diese Eltern gehen gestärkt aus dem Projekt, und sie entwickeln zusammen mit ihren Kindern einen gemeinsamen neuen Weg, wie diese mit zwei Kulturen aufwachsen – eine «dritte Kultur» sozusagen.
Mintegra stärkt Familien beim Aufwachsen mit zwei Kulturen