Marcel Dettling, Präsident der SVP Schweiz, liess in den Medien verlauten, er wolle nicht, «dass wir in der Schweiz in Hasenställen leben wie in China», und empfiehlt ein Ja zur Volksinitiative gegen eine Zehnmillionen-Schweiz.
Da stimmen gleich zwei Dinge nicht. Erstens leben die Chinesen nicht in Hasenställen. (Chinakenner Blocher würde die Stirn runzeln bei solchem Unsinn.) Und zweitens hat China eine Bevölkerungsdichte von 150 Einwohnern pro km2, also wesentlich weniger als die Schweiz heute. Wenn wir schon gegen Osten schauen, so genügt ein Blick gleich über den Rhein. Das Fürstentum Liechtenstein hat 248 Einwohner je km2, ist also aktuell dichter besiedelt als die Schweiz bei 10 Millionen Einwohnern. Und niemand würde im Ernst behaupten, dass in Liechtenstein das Leben unzumutbar sei und das Volk im Elend oder gar in Hasenställen leben würde.
Dabei kommen in Liechtenstein noch zwei zusätzliche «erschwerende» Faktoren dazu. Der Ausländeranteil ist mit 35 Prozent deutlich über dem der Schweiz. Und Liechtenstein ist – wie auch Island und Norwegen – zufriedenes Mitglied des EWR, obwohl es mit diesem angeblichen Unterwerfungsvertrag mit der EU nach Ansicht der Initianten schon längst auf die Hunde gekommen sein müsste. Die Realität im Nachbarland entspricht schlicht nicht den für die Schweiz konstruierten Horrorszenarien, sei es in Sachen Überbevölkerung oder in Sachen «Unterwerfungsverträge».
Unser Problem sind nicht die zugewanderten Arbeitskräfte aus der EU, sondern der kleinere Teil der Einwanderer, welcher sich nicht integriert, sondern sich lieber kriminell betätigt. Dieses Problem haben wir hier und heute, und nicht erst ab 10 Millionen Einwohnern. Diese Initiative ist Augenwischerei, löst kein einziges bestehendes Problem, schafft aber einige neue. Es ist wie wenn mir jemand einen Schuss ins Knie empfiehlt, um meine Arthrose zu bekämpfen.
Josef Dudli, Bogenstrasse 3, 9470 Werdenberg
Schweizer in Hasenställen?