Nachdem die Gemeinde vergangene Woche das Zustandekommen verkündete, meldet sich nun auch das Referendumskomitee zu Wort. Innert kurzer Zeit seien über 260 Unterschriften zusammengekommen – und dies ganz ohne parteipolitische Unterstützung, betonen die Initianten und danken allen, die sie unterstützten. Nach ihren Angaben zeigten sich viele Einwohnerinnen und Einwohner überrascht: Über 95 Prozent der kontaktierten Personen hätten nicht gewusst, dass eine umfassende Revision der Bauordnung bevorsteht und welche Auswirkungen diese auf das Dorf sowie auf einzelne Nachbarparzellen haben könnte. Trotz aller Bemühungen der Gemeinde seien auch frühere Reglementänderungen von vielen erst spät oder gar nicht wahrgenommen worden.
Vorlage für eine gewachsene Dorfstruktur
Das Referendumskomitee betont, dass es die bundesrechtlich geforderte Innenverdichtung grundsätzlich befürworte. Die geplante Umsetzung in Sevelen gehe jedoch deutlich über das hinaus, was für eine ländliche, kleine Gemeinde angemessen sei. Die Vorlage orientiere sich eher an städtischen Modellen und gefährde die gewachsene Dorfstruktur.
Wie das Komitee weiter ausführt, wurden eigene Einsprachen gegenüber laufenden Bauprojekten abgelehnt. Dies habe dazu geführt, die zukünftigen Planungsinstrumente genauer zu prüfen – dabei seien die nun vorgesehenen Änderungen negativ aufgefallen. In der Folge reichten sie Einsprache gegen die Ortsplanung ein. Nachdem ein Gespräch keine konkreten Ansätze für Anpassungen erkennen liess, stellten die Initianten bereits zu diesem Zeitpunkt die Möglichkeit des Referendums in Aussicht.
Besonders kritisch beurteilt das Komitee den vorgesehenen Zusatz für «besonders hochwertige Gestaltung». Dieser ermöglicht bis zu zehn Prozent grössere und einen Meter höhere Bauten gegenüber der Regelbauweise. Die Handhabung dieser dafür vorgesehenen Kriterien sei nicht nur unklar formuliert – das Komitee hält den generellen Bonus grundsätzlich für unpassend. Ein solches Instrument gehöre aus Sicht der Initianten nicht in eine kleine Gemeinde, da es eine Ungleichbehandlung zwischen grossen Investorenprojekten und herkömmlicher Dorfarchitektur begünstige und deshalb gestrichen werden sollte.
Höhere Bauten, zu wenig Abstand
Weitere Kritikpunkte betreffen die fehlende Definition der Dachraumgestaltung sowie den verkleinerten Grenzabstand. Zudem könnten in einzelnen, bestehenden Wohnzonen künftig Gebäude bis mehr als vier Meter höher als die jetzigen gebaut werden. Auch auf Hanglagen können die neuen Gesetze einen besonders negativen Effekt auf bestehende Bauten haben. Bis anhin wurden die Gebäudehöhen auch durch die Geschossigkeit beschränkt.
Das Komitee warnt vor einer Entwicklung, in der Einfamilienhausquartiere durch grossvolumige Überbauungen verdrängt werden und günstiger Wohnraum schrittweise verschwindet. Fehlende Übergangszonen würden bestehende Eigentümer und Mieter nicht nur finanziell zusätzlich benachteiligen. Gleichzeitig könnte die öffentliche Infrastruktur bei weiterem starkem Bevölkerungswachstum an ihre Grenzen stossen und zusätzliche Investitionen etwa in Schulen, Verkehr und Versorgung notwendig machen – mit entsprechenden Kostenfolgen für die Bevölkerung.
Chance, nochmals mitzuentscheiden
Mit dem Ergreifen des Referendums soll es der gesamten Stimmbevölkerung ermöglicht werden, über die Vorlage zu befinden und an der Urne neutral und parteiunabhängig zu entscheiden. Eine Ablehnung wäre nach Ansicht der Initianten kein Rückschritt oder Neuanfang, sondern die Chance für eine präzisere, ausgewogenere Planung, welche privaten Rechtsstreitigkeiten vorbeugt. Ziel sei eine Innenverdichtung mit Erhalt des Dorfcharakters, welche die von der Bevölkerung geschätzte Wohnqualität in Einfamilienhausquartieren bewahrt und ein moderates, nachhaltiges Wachstum ermöglicht.
Seveler Baureglement: Referendumskomitee will «massvolle Innenverdichtung statt Wachstum um jeden Preis»