Die Gegner der Mindestabstands-Initiative bezeichnen die Initiative als «Verhinderungsinitiative». Das ist sachlich betrachtet, eindeutig falsch. Der Bau von Windkraftanlagen wird dadurch nicht verhindert: Weiterhin wären zwei Anlagen mit 100 Metern Nabenhöhe oder eine mit 120 Metern Nabenhöhe möglich. Wenn man die im Windgutachten angedachten Standorte nicht um wenige Meter verschieben kann, sodass ein für die Gesundheit der Anwohner verträglicher Abstand gewährleistet ist, liegt das Problem wohl eher am ungeeigneten Standort.
Die Initiative will lediglich vernünftige Abstände und klare Rahmenbedingungen – kein generelles Nein zur Windenergie. Wichtig ist auch, dass die in Europa führende Windkraftnation Dänemark erfolgreich weit grössere Abstände einhält, als die von uns geforderten. Sie betragen viermal die Gesamthöhe der Windkraftanlagen, also (bezogen auf die geplanten 213 Meter hohen Anlagen) 852 Meter zur nächsten Wohnbebauung.
Wir können am Standort Sevelen diese Vorgabe nicht einmal zu Wohnzonen einhalten. Nach dänischen Abstandsvorschriften wäre im geplanten Gebiet keine Windkraftanlage umsetzbar. Auch das zeigt auf: Die Initiative ist ein guter schweizerischer Kompromiss.
Versorgungssicherheit: Sie lässt sich nicht auf ein einzelnes Dorf beziehen. Das Stromnetz funktioniert überregional, und volatile Windkraft trägt nur sehr begrenzt zur Stabilität der Versorgungssicherheit bei. Die Definition von Versorgungssicherheit lautet gemäss Bundesamt für Energie, dass Elektrizitätsverbraucher die gewünschte Menge an Strom jederzeit, ausreichend, unterbruchsfrei, in der erforderlichen Qualität und zu angemessenen Preisen beziehen können.
Genau hier zeigt sich das Problem schwankender Produktionsformen: Sie liefern keine gesicherte Leistung und stehen nicht zuverlässig dann zur Verfügung, wenn sie gebraucht werden. Man erinnert sich sicher an die mehrwöchigen Nebeltage im vergangenen Winter, keine Sonne, kein Wind …
Wie kann man hier von einer Steigerung der Versorgungssicherheit sprechen? Nebenbei sei erwähnt, dass die Winterstromproduktion gemäss Gutachten der Windmessungen lediglich 55 Prozent und nicht die von der Windkraftlobby immer wieder zitierten 66 Prozent beträgt.
Auch aus diesen Gründen empfehlen wir am 14. Juni ein Ja zur Abstands-Initiative. Für ein lebenswertes Sevelen.
Arnold Nägele, Pfäfersbüel 3, 9475 Sevelen, «Windkraft ja, mit Anstands-Abstand»
Verhinderungsinitiative? Versorgungssicherheit?