Im jüngsten Leserbrief von Esther Hagmann wird angedeutet, man wolle PV-Besitzer verunsichern und einen «finanziellen Notstand» herbeireden. Dieser Punkt ist erklärungsbedürftig, denn die finanzielle Lage der Gemeinde ist nicht herbeigeredet, sondern real angespannt.
Sevelen steht gleichzeitig vor mehreren Grossprojekten: 25 Millionen Franken für die Dorfmitte, acht Mio. Franken für die Turnhalle Galstramm, zehn Mio. Franken für die Überbauung Gärbi und rund 10 Mio. Franken für die Wasserversorgung Berg (inkl. Reservoir Chliiberg).
All das zusammen ergibt bereits über 50 Mio. Franken, die in den kommenden Jahren finanziert werden müssen. Die Nettoschuld pro Kopf wird nochmals ansteigen, und bereits jetzt sind wir hoch verschuldet. Ist das noch gesund? Hinzu kommt die generelle Kostenverschiebung vom Bund auf die Kantone und weiter auf die Gemeinden, insbesondere im Bereich Sozialhilfe für Schutzbedürftige ab 2027, was die Budgets zusätzlich belastet.
Sevelen gehört heute zu den meistverschuldeten Gemeinden im Kanton St. Gallen. Vor diesem Hintergrund ist es legitim zu fragen, ob die Gemeinde weitere Grossinvestitionen tragen kann – insbesondere, weil drei Windräder nochmals rund 30Mio. Franken kosten würden, selbst wenn der Bund einen Teil davon subventioniert. Auch nach Abzug der Fördergelder bleibt ein erheblicher Eigenanteil, der finanziert, abgeschrieben und langfristig getragen werden muss.
Die Frage lautet daher nicht, ob man «Panik» verbreitet, sondern ob es verantwortungsvoll ist, zusätzliche Millionenrisiken einzugehen, während bereits jetzt mehrere Grossprojekte gleichzeitig anstehen. Die generelle Darstellung, Wind ergänze Solar «ideal», funktioniert in vielen windgesegneten Regionen, ignoriert jedoch die schwachen Windverhältnisse in Sevelen, die selbst in den Messdaten sichtbar sind.
Batteriespeicher werden als Lösung angedacht, ohne die Kosten zu erwähnen. Um nur einen halben Tag des Seveler Stromverbrauchs zu speichern, wären Speicherkosten im unteren zweistelligen Millionenbereich nötig – das ist weder realistisch noch durch das EW Sevelen noch durch die Gemeinde finanzierbar.
Auch die erwähnte zukunftsgerichtete Wasserstoffproduktion als Speicherlösung klingt attraktiv, ist für eine Gemeinde wie Sevelen jedoch weder energetisch noch finanziell realistisch – die Verluste sind enorm, die Anlagen teuer und der Nutzen für lokale Überschüsse minimal.
Die Abstandsinitiative verhindert keine Energiewende. Sie sorgt dafür, dass die Bevölkerung nicht vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Sie nimmt Rücksicht auf die Betroffenen und schafft nachvollziehbare Regeln – deshalb ein Ja zur Vorlage am 14. Juni.
Sandra Litscher, Islabell 1539, 9475 Sevelen
Die Vorlage schafft klare Regeln