Dank der Rheinregulierung wurde die Sennwalder Au einst zu einer sehr fruchtbaren grünen Ebene. Heute durchziehen die Ebene parallel zum Rhein die Gaspipeline, zwei Starkstromleitungen, eine Autobahn, die Eisenbahnlinie, der Werdenberger und der Rheintaler Binnenkanal sowie ein viel genutzter Autobahnzubringer.
Viele wertvolle Industrie- und Gewerbebetriebe haben sich niedergelassen, aber auch Recycling- und Baufirmen mit grossem Platzbedarf. Ein riesiges Tanklager wurde errichtet und auch ein Ölumschlag. Die Sortieranlage des VfA nimmt Bauabfälle aus der Region entgegen und bereitet sie für die Verbrennung vor. Das Driving Center bietet Fahrsicherheitstrainings für Auto- und Motorradfahrer an. Gelegentlich landen auch die Helikopter einer Flugschule.
Von der ehemaligen grünen Sennwalder Au sind noch ein Stück wunderschönes Naturschutzgebiet und einige wichtige Fruchtfolgeflächen übrig geblieben. Ein wertvoller Lebensraum auch für Vögel und Wildtiere. Laut dem Bundesamt für Raumentwicklung sind Fruchtfolgeflächen die besten Ackerböden der Schweiz, die aufgrund ihrer Bodenbeschaffenheit und der klimatischen Bedingungen ausgewählt werden. Diese Flächen sind entscheidend für die Nahrungsmittelproduktion und die Selbstversorgung des Landes. Unter dem Ganzen fliesst unsichtbar ein grosser und wichtiger Grundwasserstrom. Zwecks Hochwassersicherheit soll der Werdenberger Binnenkanal demnächst revitalisiert, und zu einem Naherholungsgebiet umgestaltet sowie die Biodiversität gesteigert werden.
In diesem Gebiet sollen nun drei bis vier weithin sichtbare Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe von zirka 230 Metern hochgezogen werden. Eine Projektgruppe, bestehend aus der politischen Gemeinde Sennwald, dem Elektrizitätswerk Sennwald, der Groupe E Greenwatt SA und der St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG, hat beim Kanton bereits ein entsprechendes Gesuch eingereicht. Zwei bis drei dieser Windturbinen sind auf den geschützten Fruchtfolgeflächen geplant.
Nur schon die gigantischen Baustellen wären ein massiver Eingriff. Im Betrieb würden von den Rotorblättern einer einzigen Anlage sowohl im Luftraum wie auch am Boden eine Fläche von je zirka zwei Hektaren überstrichen. Windenergieanlagen, die keinen Abrieb an den Rotorblättern aufweisen, sind mir übrigens bis heute leider nicht bekannt.
Seit meiner Kindheit hat sich die Sennwalder Au von einer grünen Fläche zu einem Gebiet mit den verschiedensten wirtschaftlichen Ansprüchen entwickelt. Was kommt wohl als Nächstes?
Heini Göldi, Zil 21, 9466 Sennwald
Druck auf die Au nimmt zu