Helvetia sitzt lange schon am Rhein. Den Speer, Schild, Koffer und Mantel hat sie abgelegt. Es wird ihr zu heiss sein! Helvetia auf der Reise, eine Rast am Rhein. In Gedanken vertieft; Sehnsucht nach Neuem, Innovation, Friede, wohl Neutralität. Ihre Frage, ob sie wirklich Freiheit aufgeben und Richtung Deutschland, Brüssel wandern, gar Wohnsitz nehmen soll?
Eine arabische Geschichte besagt, dass wir Menschen zwei Flügel, einen der Hoffnung, einen der Furcht, von Gott geschenkt bekamen, um zu ihm zu fliegen. Hätten wir nur Flügel der Hoffnung, würden wir unsere Aufgabe auf Erden vergessen. Hätten wir nur Flügel der Furcht, würden wir in der Erwartungslosigkeit, an der Furcht sterben.
Vielleicht hängt Helvetia gerade an diesen Gedanken fest. Wenn die Jungen der 10-Millionen-Schweiz-Initiative, häufiger zugestimmt haben, wie P. Müller notiert, sollten wir uns fragen, wie sie zu Hoffnung und Mut, zur positiven Lebensaufgabe finden. Die tägliche Kriegstreiberei, die Angstmacherei mit allen vermeintlich lebensbedrohenden Zivilisationseinflüssen und die Hetze und der Hass vor dem Andersdenkenden bedrohen unser Heil, unser Gemüt.
Das Andere im Andern ist in uns vorhanden, es ist Teil von uns, sagt der französische Psychotherapeut Alain Amselek. Hoffnung ist Freiheit, zu denken, zu forschen und zu sagen, was man denkt. «Furcht» verhilft zu Respekt und dazu, zu akzeptieren, dass man auf dieser Welt nicht die alleinseligmachende Wahrheit besitzt. Ideologische Rechthaberei ist kalte Wissenschaftsgläubigkeit. Rechthaberei (Halt im Autoritären) ist nichts anderes als eine Flucht vor der Freiheit, wie sie E. Fromm beschrieb.
Demokratie lebt vom Diskurs mit dem Andersdenkenden. Wahrheit ist nicht Mehrheit und auch nicht die der Minderheit. Demokratie heisst, Konfliktfragen neu zu stellen und Lösungen zu suchen. Konflikte lösen braucht den Willen zur Neutralität. Demut ist die achtsame Sicht auf die eigenen Grenzen und die Achtung vor dem Andersdenkenden, vor dem Leben, der Natur oder Gott. Bürokratie ist eine andere Form, sich gegen die Furcht zu erwehren. Konformismus – alle sind gleich.
Mit dem Verlust von Halt und Hoffnung werden wir zum Wettrüsten, zur Ideologie, zur EU, zur Nato getrieben. Helvetia kann frei am Rhein sitzen, weil wir exzellent sind und für den Freiraum der Musse arbeiten und demokratische Entscheide treffen können. Pünktlichkeit der SBB braucht präzise Technik und Verlässlichkeit. «Gut genuuug» reicht nicht. Mut zum Gespräch, damit Menschen die innovative Schweiz erkennen. Mut, exzellent zu sein, Neues zu wagen und Risiken einzugehen braucht Empathie und freie Entscheide zur Kooperation. Europa sollte der Innovationsidee Schweiz beitreten. Dann könnten die Menschen ihre Speere und Schilder hinstellen und nach pünktlicher Ankunft mit dem Zug Zeit, Heil, Glück geniessen.
Hubert Hürlimann, Werdenstrasse 34, Grabs
Glück (Heil) dir, Helvetia