Im Gegensatz zur heutigen Wartefrist von zehn Jahren soll gemäss der Demokratie-Initiative neu bereits nach einem fünfjährigen Aufenthalt in der Schweiz ein Antrag auf Einbürgerung gestellt werden können, schreiben die Veranstalter der Buchser Montagsgespräche zum Thema letzte Woche. Zudem sollen die bisher von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedlich, willkürlich und oft geradezu schikanös durchgeführten Einbürgerungsverfahren abgeschafft werden. Stattdessen sollen Grundkenntnisse einer Landessprache sowie ein einwandfreier Leumund genügen, um den Anspruch auf eine Einbürgerung zu erhalten.
Mohammed Bidjo, der im Alter von einem Jahr mit seinen Eltern aus Syrien in die Schweiz flüchtete und zurzeit eine Lehre als Fachmann Betreuung für Kinder absolviert, hielt zum Einstieg in die Diskussion ein Kurzreferat:
Die Schweiz ist das Land, in dem mein Leben stattfindet. Und trotzdem gibt es Momente, in denen mir gezeigt wird: Du lebst zwar hier, aber mitentscheiden darfst du nicht.
Immer wieder frage er sich: Wann gehört ein Mensch eigentlich dazu? Sollte der Wert einer Stimme wirklich davon abhängen, welchen Pass ein Mensch besitzt? Besitzt nicht jeder Mensch die gleiche Würde?
Das Ziel der Demokratie-Initiative, die Hürden für eine Einbürgerung herabzusetzen, fand in der Gesprächsrunde weitgehend Anklang. Allerdings gab es auch Stimmen, die davor warnten, die Hürden für eine Einbürgerung allzu tief anzusetzen. Weitgehend einig war man sich in Bezug auf die von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedlich gehandhabten Einbürgerungstests. So wurde unter anderem das Beispiel einer Gemeinde genannt, in der die Einbürgerungskandidaten die Namen sämtlicher Alpen, Gasthäuser und kommunaler Behördenmitglieder aufzählen müssten – etwas, womit vermutlich auch Einheimische, die schon lange in der betreffenden Gemeinde leben, überfordert wären.
Vorurteile erschweren das Miteinander
Über unterschiedliche Erfahrungen im Zusammenleben von Einheimischen und aus dem Ausland stammenden Menschen wurde in der Runde berichtet. Dabei zeigte sich, dass auch gegenseitige Vorurteile ein gutes Einvernehmen erschweren können. Manche solcher Vorurteile würden mit der Zeit verschwinden, meistens dann, wenn echte Begegnungen mit «anderen» oder «fremden» Menschen stattfänden und man sich auf der zwischenmenschlichen Ebene näherkomme. Dabei seien gegenseitige Toleranz und das Akzeptieren unterschiedlicher Lebensstile etwas vom Wichtigsten.
Traditionelle Werte bewahren oder immer wieder kritisch hinterfragen? Zwischen diesen Polen bewegte sich ein grosser Teil der Diskussion. Diese Aussage von Mohammed Bidjo zeigte, dass sich das eine und das andere nicht ausschliessen müssen: «Eine Demokratie», meinte er, «darf sich nicht auf dem ausruhen, was sie einmal erreicht hat. Demokratie muss sich immer wieder verändern und ist nie fertig.»
Montagsgespräch: «Demokratie ist nie fertig»