Es ist schon interessant, dass in der gesamten Diskussion rund um die Finanzierung der 13. AHV-Rente in der Höhe von jährlich vier bis fünf Milliarden Franken noch niemand auf den Gedanken gekommen ist, das nötige Geld dort zu holen, wo es im Überfluss vorhanden ist, statt – in Form der Mehrwertsteuer – ausgerechnet dort, wo es sowieso schon knapp ist. Während nämlich von einer Finanzierung durch die Mehrwertsteuer ganz besonders auch Menschen mit tiefen Einkommen und wenig Vermögen, die man ja mit der Einführung der 13. AHV-Rente finanziell entlasten wollte, überproportional betroffen sind, werden gleichzeitig Jahr für Jahr rund 100 Milliarden Franken in Form unversteuerter Erbschaften von Generation zu Generation weitergeschenkt, ohne dass hierfür eine Arbeitsleistung erbracht werden muss.
Noch krasser sieht es bei den Allerreichsten aus: Auch dieses Jahr werden allein die Vermögen der 300 Reichsten um weitere rund 40 Milliarden Franken anwachsen, und auch diese Geldvermehrung erfolgt, ohne dass hierfür eine Arbeitsleistung erforderlich ist, einfach dadurch, dass sich einmal angehäuftes Kapital sozusagen laufend «von selber» weitervermehrt.
Eigentlich wäre die Finanzierung der 13. AHV-Rente überhaupt kein Problem – vorausgesetzt, man würde das Geld dort holen, wo es in der grössten Menge vorhanden ist. Selbst eine minimale Mikrosteuer von 0,1 Prozent auf jede Transaktion im bargeldlosen Zahlungsverkehr würde jährliche Einnahmen von rund 100 Milliarden Franken generieren – mehr als das Zwanzigfache dessen, was die 13. AHV-Rente kostet. Dass diese Geldberge gigantischen Ausmasses unangetastet bleiben und man stattdessen einmal mehr die «kleinen» Leute zur Kasse bittet, die es jetzt schon genug schwer haben, lässt sich wohl nur damit erklären, dass wir uns schon viel zu fest an die kapitalistische «Normalität» gewöhnt haben, wonach sich laufend der Reichtum der Reichen in die Armut der Armen verwandelt, genau so, wie es Bertolt Brecht in seiner Parabel vom reichen und vom armen Mann beschreibt: «Wärst du nicht reich», sagt der arme zum reichen Mann, «dann wäre ich nicht arm».
Peter Sutter, Wiedenstrasse 32, 9470 Buchs
Wärst du nicht reich, dann wäre ich nicht arm