In der Politischen Gemeinde Sennwald wird derzeit viel investiert, als gäbe es kein Morgen. Genau darin liegt das Problem: Das Morgen kommt, und mit ihm die Rechnung.
Die Gemeinde profitiert aktuell von aussergewöhnlich hohen Steuereinnahmen und einem Steuerfuss, der auf den ersten Blick attraktiv erscheint. Doch dieser Eindruck täuscht. Denn der heutige Steuerfuss wird nicht aus nachhaltiger Finanzkraft getragen, sondern zu einem wesentlichen Teil durch den Abbau des Eigenkapitals ermöglicht, wie im Geschäftsbericht 2025 der Gemeinde auf Seite 66 zu erkennen ist, oder anders gesagt: Wir leben vom Ersparten und nicht vom beständigen Einkommen.
Gleichzeitig sollen mit der Badi in Salez, dem Langsamverkehr und insbesondere der geplanten Doppelmehrzweckhalle in Salez grosse Projekte verwirklicht werden, welche die Gemeindefinanzen über Jahrzehnte binden. Dabei stehen zwingende Investitionen – etwa beim ARA-Zusammenschluss oder der Wasserversorgung Sax – erst noch bevor. Wer jetzt sämtliche Wünsche gleichzeitig erfüllen will, handelt finanzpolitisch nicht mutig, sondern fahrlässig.
Gute Bildungs- und Sportinfrastrukturen sind wichtig. Ebenso wichtig ist jedoch ein vernünftiger Umgang mit Steuergeldern, und genau daran mangelt es. Gemessen an vergleichbaren Sporthallenbauten bewegt sich das Projekt «Neubau Doppelmehrzweckhalle Salez» hinsichtlich Umfang und Kosten mit rund 25,2 Millionen Franken in absonderlichen Grössenordnungen.
Während in Steinach eine grössere Doppelsporthalle um rund 10,7 Millionen Franken günstiger erstellt wurde, und ja, dort konnte man auf gewisse bestehende Infrastrukturen zurückgreifen, plant Grabs für ungefähr denselben Betrag eine ganze Sportlandschaft mit Dreifachhalle, Tennis, Fussballfeldern, Pumptrack, Boulderblock und vielem mehr. Dort weiss die Bevölkerung, weshalb gebaut wird, wie hoch die Auslastung sein soll und welche Betriebs- und Unterhaltskosten entstehen. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis ist abgeklärt. In Sennwald dagegen bleibt einiges im Unklaren beziehungsweise im Allgemeinen. Eine nachvollziehbare Bedarfsanalyse fehlt. Abgesehen vom künftigen Personalmehraufwand im Umfang von 80 bis 100 Stellenprozenten sucht man verlässliche Zahlen zu Betrieb und Unterhalt vergeblich. Eine offene und aufrichtige Diskussion über Kosten, Nutzen und Alternativen fand nicht statt. Gerade bei einem Projekt dieser Grössenordnung braucht es eine umfassendere Informationserbringung und mehr Nachvollziehbarkeit.
Wer jetzt einfach «Ja» sagt, stimmt nicht nur einer Halle zu. Er stimmt jahrzehntelangen finanziellen Verpflichtungen zu. Die aktuelle Euphorie könnte sich bald als teures Erwachen entpuppen.
Es geht nicht um ein «Nein» zu Bildung und Sport. Es geht um ein «Nein» zu einem überdimensionierten, überteuerten, nicht hinreichend kritisch geprüften sowie ungenügend erklärten Projekt, oder anders gesagt: Man kann Steuergelder in eine vernünftige Doppelmehrzweckhalle investieren oder einfach sehr kreativ ausgeben.
Michael Berger, Präsident FDP Sennwald, Chalchofenweg 2, 9465 Salez
Wer heute baut, bestimmt den Steuerfuss von morgen