Ein überteuertes Vorhaben | W&O

Sennwald vor 13 Stunden

Ein überteuertes Vorhaben

Leserbriefschreiber Jürg Stricker will in seiner Gemeinde künftig mehr Transparenz und Realismus bei grösseren Bauvorhaben.

Von Jürg Stricker
aktualisiert vor 13 Stunden

Liest man den Bericht im W&O vom 3. Juni, gewinnt man langsam den Eindruck, der Gemeinderat und die Planungskommission verfolgen ein innovatives Informationskonzept: Die Bürgerinnen und Bürger haben offenbar eine ausgeprägte Holschuld – wer nicht aktiv nachfragt, bleibt halt im Dunkeln. Auf die berechtigte Frage, weshalb zentrale Informationen nicht einfach öffentlich zugänglich gemacht werden, erklärte der Gemeindepräsident sinngemäss, die Unterlagen seien so kompliziert, dass er sie selbst nicht verstehe. Eine bemerkenswerte Argumentation.

Noch bemerkenswerter ist allerdings die implizite Annahme, dass es der gesamten Bevölkerung von Sennwald genauso gehen müsse. Auch bei den Kosten scheint man es mit der Genauigkeit nicht allzu streng zu nehmen. Mehrfach wurde von einer Bauteuerung von 20 bis 30 Prozent seit Planungsbeginn gesprochen. Ein Blick auf die Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigt jedoch ein anderes Bild: Von Oktober 2020 bis Oktober 2025 beträgt die Teuerung 16,2 Prozent. Betrachtet man den Zeitraum seit dem Planungskredit im Oktober 2023, sind es gar nur 1,4 Prozent.

Vor diesem Hintergrund zu behaupten, ein späteres, abgespecktes Projekt koste am Ende gleich viel, wirkt weniger wie eine fundierte Prognose als vielmehr wie kreative Kostenkommunikation. Vielleicht täte etwas weniger «Juwel»-Rhetorik und dafür mehr nüchterne Planung gut. Eine funktionale, zweckmässige Mehrzweckhalle erfüllt ihren Zweck – und schont gleichzeitig die Finanzen der Gemeinde.

Ein Nein zu diesem Projekt ist deshalb kein Nein zur Halle. Es ist ein klares Nein zu einem überteuerten Vorhaben – und ein Ja zu mehr Transparenz, mehr Realismus und einem verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern.

Jürg Stricker, Bifig 23, 9466 Sennwald