Ein Zeichen des Klimawandels | W&O

• vor 1 Stunde

Ein Zeichen des Klimawandels

Leserbriefschreiber Hanspeter Schlegel äussert sich zum Hitzesommer und belegt mit Fakten, dass es den menschengemachten Klimawandel gibt, auch wenn es die Politik nicht wahr haben möchte.

Von Hanspeter Schlegel
aktualisiert vor 1 Stunde

An der Herbstsession des St.Galler Kantonsrates fand eine Sondersession zu Hitze und Klima keine Mehrheit. Aus Reihen der SVP hiess es, es sei «etwas wärmer, etwas trockener» gewesen – inzwischen habe es wieder geregnet. Ähnlich argumentierte zuvor SVP-Nationalrat Andreas Glarner im TVO-«SonnTalk». Auch die AfD spricht von «Klima-Hype», während Donald Trump in den USA den Klimaschutz massiv zurückfährt.

Doch was ist ein Hitzesommer? Nicht ein einzelner heisser Tag, sondern ein Sommer mit wiederholten längeren Hitzeperioden. Sie entstehen bei uns häufig durch blockierende Hochdrucklagen, etwa sogenannte Omega-Lagen. Warme Luftmassen können wochenlang über Mitteleuropa verharren. Böden trocknen aus; die kühlende Verdunstung nimmt ab und die Hitze verstärkt sich. Solche Wetterlagen gab es schon immer. 1540 erlebte Europa eine aussergewöhnliche monatelange Hitze- und Dürrekatastrophe. Auch 1947, 1952 und 1983 gab es markante Hitzesommer. Das widerspricht dem Klimawandel nicht. Entscheidend ist, was seither geschah.

Seit etwa 1990 häufen sich sehr heisse Sommer: 2003, 2015, 2018, 2019 und 2022 sind Beispiele. Die Hochdrucklage selbst bleibt Wetter. Doch sie trifft heute auf ein deutlich höheres Temperaturniveau. Dadurch werden Hitzewellen häufiger, länger und intensiver. Ihre Häufung wird zum unübersehbaren Klimasignal. Die Ursache dafür ist gut belegt. Seit der Industrialisierung liess die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas die CO2-Konzentration stark ansteigen. Nach 1950 verdeckten Luftschadstoffe einen Teil der Erwärmung. Mit der Luftreinhaltung nahm diese kühlende Wirkung ab, während der CO2-Ausstoss weiter stieg. Seit etwa 1980 stieg die Temperatur besonders stark.

Das bekannte «Hockeyschläger-Diagramm» von Michael E. Mann zeigt die Entwicklung anschaulich: Über Jahrhunderte schwankten die Temperaturen auf tieferem Niveau; seit der Industrialisierung steigt die Kurve steil an. Die menschengemachte Erwärmungsrate beträgt inzwischen rund 0,27 Grad pro Jahrzehnt. 2015 bis 2025 waren weltweit die elf wärmsten Jahre seit Messbeginn, 2023 bis 2025 sogar die drei wärmsten. Auch der Blick nach vorn mahnt zur Eile. Selbst der Öl- und Gaskonzern ExxonMobil erwartet für 2050 noch sehr hohe weltweite CO2-Emissionen. Ein leitender Manager warnt, dass dieser Emissionspfad zu einer globalen Erwärmung um 2,5 bis 3 Grad führen könnte – mit gravierenden Folgen für Mensch und Natur. Der IPCC weist eine solche Grössenordnung in seinen Szenarien erst für das Ende dieses Jahrhunderts aus.

Doch es gibt konkrete Fortschritte. Klimaschutz und Anpassung gehören zusammen: erneuerbare Energien, Hitzeschutz, Begrünung und ein besserer Umgang mit Wasser können heute umgesetzt werden. Vieles geschieht bereits. Dass es nach einem Hitzesommer wieder regnet, beendet die Trockenheit – nicht den Klimawandel. Wer im Kantonsrat darüber entscheidet, sollte deshalb Wetter und Klima auseinanderhalten. Klimaschutz und Anpassung dulden keinen Aufschub – die Möglichkeiten dazu sind vorhanden.

Hanspeter Schlegel, Bad 32b, 9104 Waldstatt