Fakten statt Etiketten | W&O

Sevelen 03.06.2026

Fakten statt Etiketten

Leserbriefschreiber Andreas Langenegger nimmt Bezug auf den Artikel «Verhinderungsinitiaitve kommt als Ettikettenschwindel daher», Ausgabe 28. Mai

Von Andreas Langenegger
aktualisiert am 03.06.2026

Andi Götz bezeichnet die Mindestabstandsinitiative als «Verhinderungsinitiative» und wirft den Initianten «Etikettenschwindel» vor. Wer jedoch die technischen Grundlagen kennt, merkt schnell: Seine Argumentation stützt sich weniger auf Fakten als auf Dramatisierung.

So wird mit der Aussage «dann wäre am Standort Sevelen ein einziges, viel zu kleines Windrad möglich» behauptet, bei einer Reduktion der Nabenhöhe von 132 Meter auf 119 Meter würde ein Windrad «nur ein Drittel» des Stroms der geplanten Anlagen produzieren. Das ist nachweislich falsch. Die im Windgutachten aufgeführte Windkraftanlage Vestas V-162 (V-162 = 162 Meter Rotordurchmesser) gibt es gemäss Hersteller auch mit verschiedenen Nabenhöhen, insbesondere mit 119 Meter.

Somit kann dieselbe Rotorfläche verwendet werden, welche zusammen mit der Windgeschwindigkeit entscheidend ist für die Menge an produziertem Strom. Beim Windprofil von Sevelen (4.72 m/s auf 132 Meter) führt die geringere Nabenhöhe zu etwa 7 Prozent weniger Ertrag, nicht zu 66 Prozent. Wenn solche geringen Verluste trotz 60 Prozent Subventionen der anrechenbaren Kosten ein Windparkprojekt unwirtschaftlich machen, dann sagt das sehr viel mehr über das grenzwertige Standortpotenzial aus als über die Abstands-Initiative.

Wer solche Aussagen verbreitet, verwechselt technische Realität mit politischer Rhetorik. Die Initiative verhindert Windkraft nicht – sie setzt klare, nachvollziehbare Regeln, wie sie in vielen europäischen Ländern längst Standard sind. Dass ausgerechnet diese Regeln die gesamte Energiewende verhindern sollen, während gleichzeitig mit geopolitischen Schreckensbildern argumentiert wird, zeigt eher den Grad der Emotionalisierung als die Stärke der Sachargumente.

Polemische Zuschreibungen und herabwürdigende Unterstellungen tragen nichts dazu bei. Sie sagen meist mehr über den Absender aus als über die Sache. Windkraft bleibt auch bei Annahme der Initiative möglich. Ja zu einer Energiewende mit Rücksicht und für ein lebenswertes Sevelen.

Andreas Langenegger, Tiergartenweg 17, 9470 Buchs
Verein Windkraft ja, mit Anstands-Abstand