Was stimmt denn nun wirklich? Das fragen sich viele Menschen derzeit. Wem soll man glauben? Genau diese Unsicherheit prägt die aktuelle Debatte und sie wird leider bewusst geschürt.
An der Infoveranstaltung der Umweltkommission wurde die Frage nach den Sicherheitsabständen zwischen Windkraftanlagen und der Nationalstrasse sowie der 330-kV-Leitung (Hochspannungsleitung Swissgrid) gestellt. Bislang galt bei den Nationalstrassen die Einzelfallprüfung und in der Praxis ergab dies, dass bei den bestehenden Anlagen mindestens die Gesamthöhe als Abstand zur Autobahn (wie in Haldenstein oder der Region Martigny) und eine Rotorblattlänge plus Puffer zur Swissgrid-Leitung eingehalten werden musste. Gemäss den im Windgutachten gewählten Standorten könnten diese Abstände aber mit den geplanten Anlagen (Gesamthöhe 213 Meter) gar nicht eingehalten werden. Der Raum zwischen den beiden Infrastrukturen von nationaler Bedeutung reicht schlicht nicht aus, ausser mit Anlagen von geringerer Höhe.
Vom Podium kam daraufhin die Aussage, das Bundesamt für Strassen (Astra) habe «letzten Freitag entschieden, dass keine Abstände mehr nötig seien». Diese Aussage wurde nicht belegt, sondern war absolut. Die schriftliche Nachfrage beim Astra ergab jedoch etwas anderes: Keine Praxisänderung, weiterhin Einzelfallbeurteilung jeder einzelnen Anlage. Ein Leitfaden sei in Arbeit. Warum wird die Bevölkerung durch obige Aussagen verunsichert?
Ebenso falsch ist die Aussage, bei Annahme der Initiative sei kein Bau von Windkraftanlagen mehr möglich. Das stimmt nachweislich nicht, es wird reglementiert, aber nicht verunmöglicht. Auch die Aussage, nur mit drei Anlagen erhalte man die vollen Bundessubventionen, ist falsch. Das Energiegesetz Art. 27a zeigt klar, dass dies nicht zutrifft.
Weiteres Beispiel: Im Gegensatz zur Aussage im Leserbrief von Fred Tischhauser vom 27. Mai sind die Windverhältnisse in Sevelen mit durchschnittlich 4,7 Metern pro Sekunde erheblich schwächer als in Wildpoldsried mit 5,6 Metern pro Sekunde. Damit ist ein wirtschaftlicher Betrieb in Frage gestellt, auch die Axpo erachtet eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 5 Metern pro Sekunde als Schwelle zur Wirtschaftlichkeit.
Die aktuelle Kampagne ist stark von Verunsicherung geprägt. Wir bleiben unserem sachlichen Stil treu, informieren fair und mit Quellenangabe und hoffen, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger diesen Unterschied erkennen und sich fragen: Was habe ich persönlich davon? Was ist mein Nutzen?
Es geht bei der Initiative nicht um die Grundsatzfrage, ob Windkraft Sinn macht. Es geht um eine Abstandsregelung, um den Schutz der Bevölkerung, um Empathie gegenüber den Direktbetroffenen und um ein lebenswertes Sevelen. Und es geht um Mitbestimmung. Ohne Initiative bleibt nur die beschränkte Mitwirkung im Sondernutzungsplan. Ob dem betroffenen Bürger das genügt, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Peter Keller, Initiativkomitee «Windkraft ja, mit Anstands-Abstand», Bergstrasse 23, 9475 Sevelen
Seveler Windkraft-Debatte