Windkraftanlagen in Sevelen – ein Thema, das uns bewegt! | W&O

Sevelen vor 15 Stunden

Windkraftanlagen in Sevelen – ein Thema, das uns bewegt!

Aus Sicht von Heidi Spitz und Sandra Litscher ist Skepsis gegenüber Windkraftanlagen berechtigt, weil es noch viele offene Fragen gibt.

Von Heidi Spitz und Sandra Litscher
aktualisiert vor 15 Stunden

Günstiger Strom aus Seveler Wind und die Wertschöpfung bleibt hier – das tönt vielversprechend. Aber kann die hoch verschuldete Gemeinde Sevelen ein weiteres zweistelliges Millionenprojekt stemmen? Bürgerbeteiligung ist angedacht, aber in welcher Form? 

Viele Fragen sind noch offen, und eine zentrale bleibt nach wie vor unbeantwortet: Was passiert, wenn private Solaranlagen und Windräder gleichzeitig mehr Strom produzieren, als wir selbst benötigen, vor allem in den Stunden mit negativen Strompreisen?

Was wir wissen: Private PV-Anlagen dürfen und können in der Schweiz gedrosselt werden oder gar ganz vom Netz getrennt werden, sollte das lokale Netz überlastet sein oder zu viel Strom eingespeist werden. Diese Möglichkeit ist in der Stromversorgungsverordnung und in den Netzanschlussbedingungen verankert. Fakt ist, dass in der Praxis zuerst eine Abregelung bei den dezentralen PV-Anlagen stattfindet – das sind die Anlagen, welche die Sevelerinnen und Seveler mit eigenen Investitionen aufgebaut haben, um einen Beitrag zur Stromversorgung zu leisten.

Das Risiko wird nicht kleiner, sondern verschärft sich klar mit möglichen Windkraftanlagen. Windräder bringen im Frühling und Herbst, an schönen, windigen Tagen grosse Leistungen und werden mit vertraglich geregelten Abnahmebedingungen geschützt, welche die privaten PV-Anlagenbesitzer sehr selten besitzen. Die Windräder werden nicht zuerst gedrosselt, die PV-Anlagen der Bürger jedoch lassen sich technisch einfach abriegeln. Erhält der Besitzer eine Entschädigung, weil er nicht einspeisen kann, obwohl er produziert? Eher unwahrscheinlich, im Gegenteil, möglicherweise muss für eingespeisten Strom bezahlt werden! In Zeiten mit zunehmenden negativen Strompreisen kann dies zu erheblichen Ertragsverlusten führen. 

Unsere zentrale Frage, die viele Bürgerinnen und Bürger von Sevelen betrifft: Profitieren die privaten PV-Besitzer in Sevelen überhaupt von den Windrädern? Die ehrliche Antwort lautet: wohl kaum! Die privaten PV-Anlagen-Besitzer haben das Nachsehen, da ihre Anlagen in Spitzenzeiten gedrosselt oder ganz abgestellt werden. So ähnlich haben wir das ja auch gerade bei den Einspeisevergütungen erlebt.

Bei unserer Entscheidung über mögliche Windprojekte dürfen wir die Absicherungen für die privaten Besitzer von PV-Anlagen nicht vergessen. Sie haben Geld in die Produktion klimaneutraler Energie investiert. Sie sind damit auch der Empfehlung der Gemeinde gefolgt, um etwas zur Stromversorgung beizutragen.

Diese Fragen müssen beantwortet werden, und zwar mit klaren Fakten und Zahlen. Vorher ist Skepsis gegenüber Windkraftanlagen mehr als berechtigt. 

Heidi Spitz, Chirchenrietstrasse 2, 9475 Sevelen; Sandra Litscher, Islabell, 9475 Sevelen