Am 27. September entscheidet die Seveler Bürgerschaft über das neue Baureglement samt Zonenplänen. Das Referendumskomitee unterstützt eine moderate Innenentwicklung. Sevelen soll sich weiterentwickeln und Wohnraum bieten, schreibt es in einer Mitteilung. Gleichzeitig sollen die gewachsene Struktur, die durchgrünten Wohnquartiere und die Wohnqualität erhalten bleiben.
Es fehlen klare Vorgaben und Definitionen
Kritisch beurteilt werden die möglichen Bauvolumen und Höhendefinitionen. In bestehenden Wohnzonen können deutlich grössere und höhere Gebäude entstehen, während Grenzabstände reduziert werden und die bisherige Begrenzung über die Geschossigkeit entfällt.
Die Ausnützungsziffer wird durch die Baumassenziffer ersetzt, die das Bauvolumen begrenzt, aber nicht die Höhe. Offene Gebäudeteile zählen nicht zur Baumassenziffer und vergrössern so den Baukörper zusätzlich. Gebäude können sich nach dem Grenzabstand senkrecht bis zur zulässigen Höhe entwickeln.
Aus Sicht des Komitees fehlen klare Vorgaben zur Dachraumgestaltung, etwa zur Ausbildung eines Giebeldachs oder zur Attikarückversetzung. Diese Definitionslücken betreffen auch Kleinbauten, in denen eine Hauptnutzung zugelassen ist. Nicht nur an Hanglagen können sich Auswirkungen auf Aussicht, Tageslicht und Privatsphäre ergeben. Kleinere Abstände bedeuten zudem weniger Raum für Grünflächen und grössere Bäume. Ebenso werde die Möglichkeit nicht genutzt, Mobilfunksendeanlagen aus Wohnquartieren fernzuhalten.
Das Komitee stellt den bereits heute oft pauschal berücksichtigten Bonus für «besonders hochwertige Gestaltung» infrage. «Er gilt gemeindeweit, ermöglicht zusätzlich 10 Prozent Volumen und ein Meter Höhe und sollte daher gestrichen werden», heisst es in der Mitteilung. Entscheidend sei, wie die Kriterien gewichtet werden und wie hoch der Massstab für die Gewährung ist. Das Gleiche gelte für das Einordnungsgebot in gewissen Zonen.
Durch geplante Umzonungen könnten heute locker bebaute Einfamilienhaus- und Wohnquartiere zu deutlich dichteren Quartieren werden – mit senkrechten Fassadenhöhen bis zu 15 Metern. Das Komitee schreibt:
Mehr Bauen bedeutet nicht automatisch günstigeren Wohnraum.
Dichtere Neubauten können bestehende, günstigere Wohnungen ersetzen. Gleichzeitig können Verkehr, Parkierungsdruck sowie der Bedarf an Schulen, Betreuung und Infrastruktur zunehmen. Betroffen sind nicht nur Grundeigentümer und Bauwillige, sondern auch Mieter, Familien und alle, die heute nicht bauen wollen.
Warum kommt diese Kritik erst jetzt?
Auch das Komitee habe die Tragweite einzelner Bestimmungen während der Mitwirkung nicht erkannt. Erst konkrete Bauvorhaben in der Nachbarschaft führten durch vertiefte Prüfung zu diesen Erkenntnissen. Gegen die öffentliche Auflage der Ortsplanung wurde Einsprache erhoben, aber abgewiesen.
Schon vor der Unterschriftensammlung zeigte sich, dass viele die Änderungen und möglichen Auswirkungen durch die neuen Freiheiten nicht kannten. Hierbei handle es sich nicht nur um offene Fragen, sondern um Definitionslücken, welche sich nicht mehr als Einzelinteressen darstellen liessen. Für die Rückmeldungen und Unterstützung bedankt sich das Komitee.
Kann man denn jetzt noch Nein sagen?
«Ja», meint das Komitee, «denn ein Nein bedeutet weder Stillstand noch einen vollständigen Neuanfang. Die planerischen Grundlagen sind vorhanden und die Ausführungsbestimmungen können weiterentwickelt werden.» Die Gemeinde hat über Jahre viel Zeit, Arbeit und finanzielle Mittel investiert. Das verdiene Anerkennung, ersetzt aber nicht die gründliche Prüfung der Vorlage. Für die notwendige Anpassung stehe weiterhin Zeit zur Verfügung.
Ein Nein bedeute für die Gemeinde, die nötigen Definitionen anzupassen, um die Freiheiten der Ortsbildgestaltung nicht abzugeben. Somit erhalte sie die Möglichkeit, eine Entwicklung mit Qualität und unter gleicher Berücksichtigung der Interessen aller zu schaffen. Informieren Sie sich und nutzen Sie die Freiheit zur persönlichen Mitbestimmung bei der Entwicklung von Sevelen.
«Was mit einem Baureglement zugelassen wird, kann morgen im Quartier sichtbar sein», schreibt das Komitee. Es stellt Informationen und Visualisierungen auf seiner Facebook- und Instagram-Seite «mitredensevelen» zur Verfügung.
Um eine moderate, nachhaltige und qualitätsvolle Entwicklung zu schaffen, sowie den Erhalt der Wohnqualität zu sichern, empfiehlt das Komitee deshalb am 27. September ein Nein zur vorliegenden Ortsplanungsrevision.
Referendumskomitee rät: «Schauen Sie genau hin – es betrifft jeden»